Warum Kontaktpunkte entscheidend sind
Die entscheidenden Stellen für effizientes und gleichzeitig entspanntes Fahren sind die Punkte, an denen du direkten Kontakt zum Fahrrad hast: Sattel, Lenker und Pedale.
Sie beeinflussen Komfort, Kontrolle und Ermüdung stärker als viele andere Komponenten – besonders auf längeren Strecken und wechselndem Untergrund.
Sattel
Beim Thema Sattel fällt es mir schwer, pauschale Empfehlungen auszusprechen.
Wer einmal einen Sattel gefunden hat, mit dem auch lange Strecken problemlos möglich sind, experimentiert meist nur ungern weiter – und das aus gutem Grund.
Grundsätzlich geht es beim Sattel immer um **Druckverteilung. Diese entsteht jedoch nicht isoliert, sondern immer im Zusammenspiel mit dem Sitzpolster deiner Radhose.
Weitere Informationen dazu findest du in der Rubrik Bekleidung.
Grundlagen der Sattelwahl
- Sitzknochenabstand kennen: Viele Sättel werden in unterschiedlichen Breiten angeboten. Der korrekte Auflagepunkt der Sitzknochen ist entscheidend für eine gleichmäßige Druckverteilung.
- Sitzposition berücksichtigen: Je sportlicher und gestreckter deine Sitzposition, desto schmaler sollte der Sattel ausfallen.
Mountainbike-Sättel sind in der Regel deutlich breiter als Rennradsättel, da die Sitzposition aufrechter ist.
Gravelbikes bewegen sich in diesem Spektrum meist dazwischen. - Sattel beim Fachhändler kaufen: Viele Hersteller bieten eine 30-tägige Rückgabefrist an. Beim Händler vor Ort kannst du deinen Sitzknochenabstand messen lassen und bei Bedarf unkompliziert tauschen – ein klarer Vorteil gegenüber dem Onlinekauf.
Brooks Cambium – ein alternatives Sattelkonzept
Ein etwas anderes Konzept verfolgen die Cambium-Sättel von Brooks, insbesondere der C17, der häufig an Gravelbikes zu finden ist.
Die Sitzfläche besteht aus einem Gewebe mit Naturkautschuk und funktioniert wie eine Hängematte. Da kein Leder verwendet wird, entfällt die sonst bei Brooks-Sätteln übliche Einfahrzeit von mehreren hundert Kilometern.
Ich kenne einige Gravelbiker, die dieses Konzept gerade auf langen Strecken sehr schätzen.
Ich selbst bin den C17 über einen längeren Zeitraum gefahren und muss sagen, dass er für mich persönlich nicht optimal funktioniert hat. Das zeigt gut, wie individuell das Thema Sattel letztlich ist.
Gefederte Sattelstütze
Wenn du dich für ein Gravelbike mit eher geringer Vibrationsdämpfung des Rahmens entschieden hast, kann eine gefederte Sattelstütze einen spürbaren Unterschied machen.
Meine persönliche Empfehlung ist die eeSilk von Cane Creek.
Sie ist vergleichsweise teuer, funktioniert aber sehr effektiv und ist dabei erstaunlich leicht. Das Fahrgefühl verändert sich nicht in Richtung Fully – das ist auch nicht das Ziel.
Vielmehr geht es um das Abfedern permanenter kleiner Stöße auf unebenem Untergrund und um eine Entlastung des Rückens.
Das Ergebnis: Ermüdungserscheinungen setzen später ein, die mögliche Reichweite steigt.
Lenker
Lenker für Gravelbikes gibt es mittlerweile in unzähligen Varianten.
Schon kleine Unterschiede bei Form und Geometrie führen zu spürbaren Veränderungen der Sitzposition und des Handlings.
Wichtige Lenkerparameter bei Gravelbikes
- Width (Breite):
Die Breite wird bei Dropbars in der Regel zwischen den Bremsgriffen gemessen.
Übliche Breiten liegen zwischen 380 mm und 460 mm. - Flare und Outsweep:
Flare beschreibt den Winkel, in dem der Unterlenker nach außen öffnet.
Outsweep beschreibt zusätzlich, wie stark die Lenkerenden nach außen gedreht sind. - Drop:
Der Drop bezeichnet den Höhenunterschied zwischen Lenkerklemmung und Unterlenker.
Größerer Drop (größer 120 mm) ist sportlicher, geringerer Drop (kleiner 120 mm) komfortabler. - Reach:
Der Reach beschreibt den Abstand von der Vorbauklemmung nach vorne und beeinflusst die gestreckte Sitzposition maßgeblich. - Backsweep:
Leichte Krümmung des Lenkers nach hinten für eine entspanntere Handhaltung. - Rise:
Leichte Erhöhung des Lenkers, um eine aufrechtere Sitzposition zu ermöglichen, wenn der Gabelschaft nicht weiter angepasst werden kann.
Pedale
Grundsätzlich stellt sich die Wahl zwischen Plattformpedalen und Klicksystemen.
Da Gravelbikes meist ohne Pedale ausgeliefert werden, besteht hier volle Entscheidungsfreiheit.
Plattformpedale mit Metallpins bieten viel Grip und eignen sich gut für Alltag und Touren.
Klicksysteme bieten höhere Effizienz, schränken jedoch die Alltagstauglichkeit ein.
Klicksysteme: SPD oder SPD-SL – ein kurzer Vergleich
Im Gravel-Bereich hat sich das Shimano-SPD-System durchgesetzt.
Es bietet mehr Bewegungsfreiheit und kleinere Cleats als das aus dem Rennradbereich stammende SPD-SL-System.
Der Vorteil:
Schuhe mit griffiger Sohle, in denen auch längere Gehpassagen problemlos möglich sind – ein klarer Pluspunkt im Alltag und auf Reisen.
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